• Autor: Franz Neumeier
  • Datum: 28. Juli 2006
  • Kategorie: seo-news

Astra-Blog und warum Blogs den klassischen Journalismus nicht ablösen werden

Opel hat ein paar Blogger dafür bezahlt, dass sie den neuen Opel Astra testen und darüber in ihrem Blog schreiben. In der Blogger-Szene hat das für einen Aufschrei der Entrüstung und zu teils heftigen Diskussionen, auch deutlich unter der Gürtellinie gesorgt.

Sehen wir der Relität ins Auge: Das Astra-Blog ist doch bei Weitem nicht das einzige und erste Blog, bei dem sowas passiert. Im aktuell diskutierten Fall waren sowohl Opel als auch die Blogger nur so offen und ehrlich, deutlich zu kommunizieren, dass es sich um ein bezahltes Blog handelt.

Unter diesen Voraussetzungen ist gut argumentierte Rechtfertigung im Lummaland Blog völlig in Ordnung. Denn gerade weil die Astrablogger alles offengelegt haben, muss man eben genau über die Glaubwürdigkeit dieses Blogs nicht disktuieren.

Das eigentliche Kernthema reißt ein Beitrag im Curious Creatures Blog an: Die Welt der Blogs ist eben nicht die perfekte Basisdemokratie, die Informationen ungefiltert und unabwendbar in die Öffentlichkeit trägt und damit für den freien Fluß wichtiger Informationen sorgt. Die Verherrlichung der Blogspace kriegt durch solche Diskussionen einn deutlichen Dämpfer und reduziert Blogs auf das, was sie sind: Eine wunderbare Möglichkeit, sich ohne Rücksicht auf Kontrollinstanzen auszudrücken. Und, ja, auch Informationen ans Licht zu bringen, die sonst vielleicht verdeckt geblieben worden wären. Aber eben völlig ohne Qualitätskontrolle, ohne einheitliche Regeln, weitgehend anarchistisch.

Und deshalb bin ich der Überzeugung, dass Blogs, anders als so oft prophezeiht, nicht das Ende des klassischen Journalismus sind. Ganz im Gegenteil! Die vielleicht wichtigste Funktion der traditionellen Medien ist die Gatekeeper-Funktion: Erst genau recherchieren, prüfen, einordnen – dann veröffentlichen. Die Strukturen in den Medien stellen eine gewisse Sicherheit dar, dass nur die wichtigsten und vor allem einigermaßen verifizierte Informationen die Öffentlichkeit erreichen. (Die ganze Diskussion um dern Verfall der Qualität in den Medien, PR-Aktivitäten von einzelnen Journalisten, etc. mal dahin gestellt.)

Die unkontrollierte, unkanalisierte Informationsflut der Blogs ist für niemanden wirklich durchschaubar, weswegen die Menschen letztlich doch wieder auf die klassischen Medien zurück greifen, wennes um aktuelle Nachrichten und einigermaßen glaubwürdige Information geht. Und Blogs sind eine wunderbare Ergänzung dazu, indem sie Meinungen, zusätzliche Aspekte und persönliche Sichtweisen hinzufügen.

Wozu also die ganze Aufregung um das Astra Blog?

  • Comments: 2

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2 Kommentare zu “Astra-Blog und warum Blogs den klassischen Journalismus nicht ablösen werden”


  1. marcc
    on Jul 31st, 2006
    @ 15:31

    Blogs werden den klassischen Journalismus auch nicht ablösen, weil Institutionen und Firmen nicht bereit und in der Lage sind jedem Rede und Antwort zu stehen, der ein Blog betreibt.

    Weiterhin sind Blogs zu unzuverlässig in der Berichterstattung. Denn ob ich über ein Ereignis blogge entscheide ich recht spontan. D.h., wenn ich ganz sicher erfahren will was läuft, muss ich einen dafür bezahlen, dass er die Informationen für mich einsammelt. Und jedesmal alle Blogs der Region durchzuklicken, um beispielsweise was über das Konzert von „Die Happy“ und „Silbermond“ zu lesen, ist nicht jedermanns Sache.


  2. Franz
    on Aug 1st, 2006
    @ 7:30

    Dem stimme ich absolut zu. Trotzdem hält sich hartnäckig die Behaupting, Blogs seien der Tod der klassischen Medien, weil die bösen Journalisten, beeinflußt von dunklen Mächten, platten Lobbyisten und dem schnöden Mammon, wichtige Informationen bewußt unterdrücken und verfälschen und deshalb die Wahrheit in den Blogs siegen wird.
    Wer professionell mit Informationsbeschaffung beschäftigt ist, weiß allerdings nur zu gut, wie schwierig es ist, „die Wahrheit“ zu finden – selbst mit guter Ausbildung und professionellem Herangehen wird der Rechercheur häufig noch an der Nase herum geführt. Wie soll es da erst dem Home-Blogger gehen, der weder die Ausbildung, noch die technischen Möglichkeiten noch genügend Kontakte hat?
    Um dem noch eines draufzusetzen: Ich glaube, selbst in Diktaturen wie China können Blogs kaum die „Wahrheit“ ans Licht bringen – die ist gerade in solchen Systemen viel zu gut versteckt … Trotzdem helfen Blogs hier auf andere Weise – sie zwingen die Regierung zu Abwehrreaktionen, zu Aktion. Das legt zumindest offen, dass es etwas zu verbergen gibt. Zudem macht jeder, der aktiv agieren muss, irgendwann auch mal kleine Fehler. Und dann gilt: Steter Tropfen höhlt den Stein.

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