zunächst

Heute morgen wieder beim Radiohören darüber gestolpert: „Der Täter konnte zunächst nicht ermitteln werden.“ Abgesehen von der unnötigen Passiv-Konstruktion – wenn die Polizei den Täter zunächst nicht ermitteln konnte, dann warte ich darauf, im nächsten Satz zu erfahren, was danach passiert ist.

Zunächst ohne Fortsetzung ist wie ein erstens, dem kein zweitens folgt; wie ein einerseits ohne das zugehörige anderseits.

Wäre es nicht weniger verwirrend, einfach klar zu sagen, dass der Täter eben bis jetzt nicht gefunden wurde? Das klingt für mich einfach weniger, als ob der Nachrichtensprecher Wissen zurückhält. „Zunächst wurde der Täter nicht gefunden. Und wie die Polizei ihm dann doch auf die Spur gekommen ist, das verrate ich zunächst nicht.“

Kennt jemand eine Erklärung dafür, warum deutsche Nachrichtensender sich so auf dieses Wort „zunächst“ eingeschossen haben?

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Negative Rabatte

Wenn Schauspieler Ottfried Fischer für ein bayerisches Möbelhaus im Radio mit „minus 60 Prozent Rabatt – minus 60 Prozent!“ wirbt, dann ist das witzig und jeder weiß, dass man natürlich nicht 60% mehr bezahlen muss.

Wenn die Bundeskanzlerin in Interviews daran erinnert, dass wir „immer noch einen Rückgang in der Wirtschaft um minus 6 Prozent“ haben, dann habe ich schon erhebliche Zweifel daran, ob Frau Merkel die doppelte Verneinung hier ganz bewußt als Stilmittel einsetzten wollte.

Wenn aber Reporter die Formulierung „minus 6 Prozent Rückgang“ dann noch unkommentiert übernehmen, dann gibt’s ein Problem. Denn spätestens journalistische Nachrichten sollten eindeutig und unmißveständlich formuliert sein. Da reicht es nicht, wenn schon jeder versteht, was eigentlich gemeint ist.

Deshalb spiele ich heute mal wieder den Erbsenzähler: Minus 6 Prozent Rückgang ist mathematisch betrachtet eben ein Plus von 6 Prozent – und das entspricht nicht der Realität. Vorschlag für Kollegen, die mit einem negativen Rabatt oder einem negativen Rückgang konfrontiert sind: In Interviews muss man den Interview-Partner sicherlich nicht mit einer Nachfrage bloßstellen oder gar verwirren („meinten Sie plus oder minus X Prozent?“). Formuliert man aber selbst oder fasst das im Interview gesagte noch einmal zusammen, sollte man korrekt formulieren – „60 % Rabatt“, „Rückgang um 6 %“.

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Nur zwei von 40 Frauen weiblich

Auch wenn es möglicherweise eine Fälschung ist – einen solchen Sprachknoten will ich euch nicht vorenthalten. Angeblich soll der Satz so in der Sacramento Bee erschienen sein: „Out of 40 women in the Senate, only 2 were female“. Es geht übrigens um den kalifornischen Senat. Die korrekte (oder später korrigierte) Fassung lautet: „Out of 40 members in the Senate, only two were female.“ Schon besser, wenn auch wesentlich langweiliger als News :-)

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Fehlermeldungen-Blog bei Pons

Ein schönes neues Blog gibt’s beim Duden-Konkurrenten Pons: Fehlermeldungen. Und ganz nebenbei stellt Pons unter Anderem sein komplettes Rechtschreib-Wörterbuch kostenlos im Web zur Verfügung. Sehr praktisch. Einfach ein Wort, bei dem man sich in der Schreibweise nicht ganz sicher ist eintippen und Pons liefert eine Liste der Wörter, die man möglicherweise gemeint haben könnte mit der richtigen Schreibweise. Duden.de will für einen ähnlichen Service immerhin 7,95 Euro pro Monat haben.

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