• Autor: Franz Neumeier
  • Datum: 6. Februar 2007
  • Kategorie: seo-news

nofollow bei Wikipedia – egal?

Das Thema hätte ich beinahe verschlafen … Wikipedia hat also beschlossen, in den englischsprachigen Bereichen Links mit dem nofollow-Attribut zu belegen, um Spam einzudämmen.

„Wen interessiert’s? Sowieso nur SEO …“ ist die Antwort bei Fridaynite.de. Könnte man so sehen, wenn es wirklich nur um Spambekämpfung ginge. Auch wenn sich die Maßnahme wohl kaum wirklich zu dem angestrebten Zweck eignet, wie Threadwatch.org richtig anmerkt.

Ich denke aber, Wikipedia schießt sich damit selbst ins Knie. Mal ganz ehrlich: Natürlich schreibe ich auch bei Wikipedia, und zwar weil ich die Links von dort zu meiner Website unter SEO-Gesichtspunkten für wertvoll halte. Ich mache das verantwortungsvoll, ohne Marketing-Geschwafel. Ich trage mein Fachwissen zu dem großen Wikipedia-Projekt bei. Ist es da wirklich unverschämt, zumindest eine kleine Gegenleistung zu erwarten? Eine Gegenleistung in Form eines Links zu einer Website, die dem Leser zu dem fraglichen Thema noch mehr Detailinfos liefert als der Wikipedia-Artikel selbst.

Wollen wir wirklich, dass Wikipedia zukünftig nur noch von Myvideo-Knallköpfen gefüllt wird, wo Knowhow und Content so schlecht ist, das es kaum etwas ausmacht, dass man alle Rechte daran für alle Zeiten abgibt und nichts dafür bekommt? Wer nämlich wirklich etwas Gutes zu bitten hat, wird tendenziell zuminest Anerkennung erwarten, und sei es nur in Form eines Links, der das eigene Renomee in der Online-Community fördert.

Ohne vollwertigen Wikipedia-Link keine Beiträge. Das werden viele denken und ihr Engagement einstellen.

Wem das jetzt klingt wie beleidigt und eingeschnappt, der hat wohl Recht. Aber wenn Wikipedia nichts besseres zur Spambekämpfung einfällt als faktisch die Guten zu bestrafen, dann scheint mir das Modell der kollektiven Intelligenz tot zu sein. Einen spannenden Artikel dazu gibt’s übrigens von Christoph Mayerl bei Perlentaucher: Warum Wikipedia mit dem NoFollow Link das Netz zerschießt.

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2 Kommentare zu “nofollow bei Wikipedia – egal?”


  1. P. Zill
    on Feb 11th, 2007
    @ 17:40

    Hallo,

    die Entscheidung ging von Jimmy Wales, dem Gründer der Wikimedia Foundation aus. Alle Wikimedia-Projeke (Wikipedias, Wiktionarys etc.) nutzen das Nofollow-Attribut bereits seit Anfang 2006, jedoch nur auf Seiten außerhalb des Artikel-Namensraums, also beispielsweise Artikeldiskussionsseiten oder Benutzerseiten. Die englische Wikipedia ist das größte Wikimedia-Projekt, sodass Linkspam ein eher kleines Problem darstellt, da die Community groß ist und irrelevante Spamlinks in der Regel recht schnell wieder entfernt werden. Das Nofollow-Attribut hat hier jedoch den Effekt, „link wars“ (das bewusste Wieder-Einfügen von bereits entfernten Links) zu vermeiden, indem den Benutzern der Zweck des Einfügens genommen wird. Für weitere Informationen gibt es Diskussionen auf der Mailingliste der englischen Wikipedia, wiki-en-I, die ab diesem Post auf der Mailingliste nachzulesen sind.


  2. Franz
    on Feb 12th, 2007
    @ 9:34

    Mir sind die Probleme durchaus bewußt und es wäre vermessen zu behaupten, dass es eine einfache Lösung dafür gibt. Trotzdem bin ich überzeugt, dass es technisch möglich ist, Linkspam, Link-Wars und andere Absurditäten der heutigen Web-Welt klein zu halten, ohne so drastische Maßnahmen. Realistische gesehen sind Suchmaschinen im Web hete übermächtig wichtig. insbesondere für kleinere, unbekanntere Websites, die nur wenig Möglichkeit haben, von der Öffentlichkeit und von den Suchmaschinen wahrgenommen zu werden. Eine der Gründe, warum es die Wikipedia gibt, ist, hier einzugreifen und zu helfen.

    Aus rein idealistischer Sicht finde ich es deshalb sehr traurig, dass ein Projekt wie Wikipedia, gegründet als Alternative zu einer von wenigen kontrollierten Informationswelt, jetzt genau die selben Methoden anwendet wie die kritisierte, etablierte Medienwelt. Weil sich ein paar, sorry, Idioten daneben benehmen, kapituliert Wikipedia. Meiner Meinung nach macht das die Idee „Wikipedia“ kaputt.

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