• Autor: Franz Neumeier
  • Datum: 26. Juli 2009
  • Kategorie: Medien-Sprache

Getötete Autofahrer

Bei dem Unfall auf der A8 wurden zwei Fahrzeuginsassen getötet.“ Augenbinde – auf die Knie – Kopfschuß von hinten?

Ich gebe zu, es ist nicht ganz einfach, in Nachrichten mit Toten richtig umzugehen. Erst recht, wenn die Polizei den Unfallhergang noch nicht genau kennt und Polizeimeldungen daher fast immer im Passiv formuliert sind.

„Autofahrer X hat Autofahrer Y totgefahren“ wäre die treffendste Formulierung, wenn nur zum Zeitpunkt der Meldung schon die Schuld zweifelsfrei feststünde. Tut sie aber nicht.

Vor der „getötet“-Era war es üblich, in den Nachrichten Leute “ ums Leben kommen“ zu lassen. Auch nicht gerade sinnvoll. Denn wer will schon freiwillig um sein Leben „herumkommen“. Die meisten hängen doch ziemlich an ihrem irdischen Dasein.

Die christliche Variante ist sehr tröstlich: „Der Herr hat zwei Menschen zu sich genommen“, für die harte Nachrichtenwelt aber nicht geeignet, auch weil man politisch korrekt (hier außnahmsweise mal sinnvoll) konfessionslos berichten sollte.

Altertümliche Formulierungen wie „dahinscheiden“ und „von uns gehen“ – okay, da braucht’s nicht viele Argumente dagegen. Das hat in einer Nachrichten-Meldung nichts verloren.

Gelegentlich hört man aber auch: „Bei dem Unfall starben zwei Menschen.“ Ich persönlich würde diese Variante bevorzugen, auch wenn sie etwas unpräzise ist. Denn sterben kann man aus vielen Gründen und der Unfall könnte ganz zufällig auch noch passiert sein. Allerdings liegt der Sachzusammenhang zu dem Unfall natürlich nahe. Und wenn die Polizei schon unpräzise meldet, dann hilft ein künstlicher Präzisierungsversuch („getötet“) auch nicht viel. Erst recht nicht als Passivkonstruktion.

Liebe Kollegen: Überdenkt doch mal dieses unsägliche „wurden getötet“. Mir läuft dabei jedesmal ein kalter Schauen dern Rücken runter – sprachlich und emotional.

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