• Autor: Franz Neumeier
  • Datum: 18. August 2009
  • Kategorie: Medien-Sprache

Negative Rabatte

Wenn Schauspieler Ottfried Fischer für ein bayerisches Möbelhaus im Radio mit „minus 60 Prozent Rabatt – minus 60 Prozent!“ wirbt, dann ist das witzig und jeder weiß, dass man natürlich nicht 60% mehr bezahlen muss.

Wenn die Bundeskanzlerin in Interviews daran erinnert, dass wir „immer noch einen Rückgang in der Wirtschaft um minus 6 Prozent“ haben, dann habe ich schon erhebliche Zweifel daran, ob Frau Merkel die doppelte Verneinung hier ganz bewußt als Stilmittel einsetzten wollte.

Wenn aber Reporter die Formulierung „minus 6 Prozent Rückgang“ dann noch unkommentiert übernehmen, dann gibt’s ein Problem. Denn spätestens journalistische Nachrichten sollten eindeutig und unmißveständlich formuliert sein. Da reicht es nicht, wenn schon jeder versteht, was eigentlich gemeint ist.

Deshalb spiele ich heute mal wieder den Erbsenzähler: Minus 6 Prozent Rückgang ist mathematisch betrachtet eben ein Plus von 6 Prozent – und das entspricht nicht der Realität. Vorschlag für Kollegen, die mit einem negativen Rabatt oder einem negativen Rückgang konfrontiert sind: In Interviews muss man den Interview-Partner sicherlich nicht mit einer Nachfrage bloßstellen oder gar verwirren („meinten Sie plus oder minus X Prozent?“). Formuliert man aber selbst oder fasst das im Interview gesagte noch einmal zusammen, sollte man korrekt formulieren – „60 % Rabatt“, „Rückgang um 6 %“.

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